Reisebericht: Taybeh im Mai 2012

Unser Besuch in Taybeh am Freitag, 18.05.2012

Für Pater Raed war es wohl ein ganz normaler Arbeitstag. Für uns, Kay und Beate Nicolaus und Anja Schimper, war dieser Freitag im Mai 2012 ein ganz besonderer: unser erster gemeinsamer Besuch in Taybeh.

Wir sitzen in seinem Büro und der Priester der röm.-kath. Gemeinde von Taybeh zeigt uns begeistert seine neuen Ideen und Produkte, welche wir auch gleich probieren dürfen:

Maftoul - eine Art Couscous, jedoch aus etwas größeren Körnern. Nur noch heißes Wasser dazu gießen und genießen!
helle und dunkle Olivenpaste
aromatic salt, für Menschen, die kein Salz essen dürfen, bestehend aus 10 Kräutern
getrocknete Gewürze, wie z.B. Minze und Salbei
medizinische Seife, mit Olivenöl für sensible Haut
Totes-Meer-Seife
und und und

Während Pater Raed freudestrahlend und euphorisch erzählt, präsentiert uns Milad, ein leitender Mitarbeiter, die neuen Speisen und Produkte, versorgt uns mit arabischem Kaffee und Gebäck. Es ist eine herzliche Atmosphäre. Auch als das Telefon klingelt, gleichzeitig noch das Handy, der Drucker versagt, eine französische Besuchergruppe plötzlich im Türrahmen erscheint, zusätzlich eine italienische Journalistin aus Rom.... er wirbelt herum und strahlt heiter.

Pater Raed kümmert sich um eine arabische Besuchergruppe und wir fahren mit Milad zur Olivenpresse. Hier entsteht im Herbst Olivenöl. Die eigene Olivenpresse im Ort gewährleistet eine gute Qualität des Olivenöls, weil die Oliven kurz nach der Ernte weiter verarbeitet werden können.
Momentan werden hier die Friedenslichter hergestellt. Eine Übergangslösung für die Keramiklampen, denn der Mietvertrag für die bisherigen Räume der Werkstatt wurde nach 7 Jahren nicht verlängert. Aber auch dafür hat Pater Raed eine Idee, die bereits in 3 Monaten - vor der nächsten Oivenernte! - umgesetzt sein soll: ein 2-geschossiges Gebäude am Hang unterhalb der Kirche wird gebaut. Im oberen Teil ein Kindergarten und auf der anderen Etage 350m² Fläche Werkstätten für die Friedenslichter.

Um die Menschen in Taybeh zu halten, beschäftigt Pater Raed am liebsten gleich ganze Familien und dies bestätigt sich auch gleich, als wir die Produktionsstätte betreten. Abdullah, sein Sohn Jakob und Ibrahim stellen gerade Tauben her. Die Gipsformen werden mit Ton gefüllt, getrocknet, die „rohen“ Friedenslichter beschliffen, gebrannt, glasiert und nochmals gebrannt. Es dauert 9 Tage bis ein Friedenslicht fertig ist.

Unsere Reise geht weiter zum Altenheim, Beit Afram. Der Wunsch der römisch-katholischen Kirchengemeinde war es, nicht nur ein Altenheim zu errichten, sondern einen Gemeinschaftsort, an dem man in Würde alt sein kann. Dieses Ziel scheint auch erreicht zu sein. Vor dem Eingang sitzen Mitarbeiter und Bewohner zusammen, trinken Kaffee und Tee miteinander und erzählen in netter Runde.
Die Bewohner werden rundum versorgt: Für sie wird gekocht, die Wäsche gemacht, sie werden medizinisch und menschlich betreut, sogar eine kleine Notfall-Einheit gibt es. Vor kurzem neu hinzu gekommen sind 5 weitere Zimmer zur Doppelbelegung, die Nachfrage ist groß.

Unser Mittagessen nehmen wir in „Peter's Place“, einem ganz neu eröffneten Restaurant, zu uns. Ein altes Haus, welchem sich die „holylanders“ angenommen und das sie komplett restauriert haben. Integriert ist ein kleines Museum, durch welches uns der Besitzer Mark führt und uns alte Küchenutensilien, Werkzeuge und traditionelle Kleidung aus Taybseh zeigt. Unser Essen, bestehend aus Humus, Tabouleh, Pita und diversen Salaten, ist köstlich und die Atmosphäre heiter entspannt → Peter's Place können wir nur empfehlen!

Gestärkt führt uns Pater Raed durch die Altstadt von Taybeh und zeigt uns seine neuen Ideen:
- weitere Gästezimmer und Ferienappartements in alten Häusern, teilweise mit herrlichem Blick, an klaren Tagen bis zum Toten Meer
- das Kastell – eine alte Kreuzfahrerburg. Der römisch-katholischen Gemeinde gehören dort zwei Räume und die historische Kreuzfahrerhalle soll kulturellen Veranstaltungen dienen
- die Nachfrage nach Weihrauch ist sehr groß und man will die Produktionsstätte von Zababdeh nach Taybeh verlegen

Wir gehen durch den Tunnel, durch den Jesus der Überlieferung nach das biblische Ephraim betrat, sechs Wochen vor seinem Leidensweg.

Dann ist unser Tag und somit auch unser Besuch bei Pater Raed vorbei, wir verabschieden uns und hoffen, dass er einen ruhigen Feierabend hat. Verdient hat er ihn.